Grillen gehört zum Sommer, so viel steht fest. Aber welcher Wein kommt eigentlich dazu ins Glas? Wie so oft lautet die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Hier ist, was bei uns aus dem Süden Frankreichs zum Rost passt, sortiert nach Weinsorten. Keine Dogmen, nur unsere Ideen zur Orientierung.
Vorweg ein Gedanke, der uns wichtig ist: Es gibt keine Regel, die dir jemand von außen aufzwingen müsste. Trink, was dir schmeckt. Die folgenden Empfehlungen sind unsere Erfahrung aus Weinbar und eigener Terrasse, nichts weiter. Wenn dein Lieblingswein ein anderer ist, hat er recht.
Rosé, der unkomplizierte Allrounder
Wenn am Tisch jede*r etwas anderes essen will, ist ein trockener Rosé oft die entspannteste Wahl. Er begleitet Gemüse, Geflügel, Fisch und leichtes Fleisch, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Aus Südfrankreich mögen wir die klassischen Provence-Rosés aus Grenache und Cinsault, die zart und mineralisch sind, genauso die kräftigeren Vertreter aus Bandol oder Tavel, die mit Mourvèdre und Syrah sogar neben Gegrilltem mit Röstaromen bestehen. Gut gekühlt, aber nicht eiskalt, sonst verschwindet das Aroma.
Zu unseren Rosés aus dem Süden
Leichte, gekühlte Rote, die Sommerüberraschung
Wer sagt, dass im Sommer nur Weiß und Rosé ins Glas kommen? Einige Rote profitieren sogar davon, leicht gekühlt getrunken zu werden. Gemeint sind fruchtbetonte, gerbstoffarme Weine, etwa aus Grenache und Carignan aus dem Roussillon oder ein junger Malbec aus Cahors im Südwesten. Auch ein Clairet, ein besonders kräftig ausgebauter Rosé aus Syrah, spielt in dieser Liga. Lebendig und frisch statt schwer, fruchtig aber trocken. Um die zwölf bis vierzehn Grad servieren, dann kommen sie an einem warmen Abend am besten zur Geltung.
Kräftige Rote für Steak und Lamm
Kommt kräftiges Fleisch auf den Rost, Steak, Lammkotelett, ein saarländischer Schwenkbraten, darf der Wein Struktur mitbringen. Ein reiner Malbec aus Cahors mit seiner dunklen Frucht und feiner Würze hält da gut mit, ebenso ein Syrah aus dem Rhônetal oder ein Mourvèdre-betonter Bandol, der mit den Jahren Leder und Garrigue entwickelt. Solche Weine servierst du besser nicht zu warm, sechzehn Grad reichen. Zu kalt wirken die Gerbstoffe kantig, zu warm der Alkohol breit.
Aromatische Weiße für Fisch und Gemüse
Für Fisch vom Rost und Grillgemüse mögen wir es weiß und aromatisch. Ein Sauvignon Blanc bringt Zitrus, Stachelbeere und Kräuter mit, das passt zu allem, was leicht und würzig ist. Spannend finden wir die neuen PIWI-Rebsorten wie Muscaris und Souvignier Gris, die von Natur aus eine feine Muskateller-Nase mitbringen und dabei weniger Pflanzenschutz im Weinberg brauchen. Wer es runder mag, greift zu Viognier oder einem salzigen Picpoul de Pinet, dem klassischen Austernwein von der Mittelmeerküste. Weiße kommen kühl ins Glas, acht bis zehn Grad.
Orange und Naturwein für die Mutigen
Wenn es vom Grill richtig würzig wird, Marinaden, Röstaromen, geräucherte Noten, kann ein Orange-Wein eine überraschend gute Figur machen. Durch den Kontakt mit der Beerenschale bekommt er Gerbstoff und Struktur wie ein Roter, bleibt aber ein Weißwein. Das gibt ihm Griff neben kräftigem Essen. Naturweine mit ihrer spontanen Gärung und ihrer lebendigen, manchmal ungeschliffenen Art passen gut zu einer entspannten Grillrunde, bei der ohnehin experimentiert wird. Nicht für jeden Tag, aber ein schöner Ausbruch.
Und der Apéro davor?
Bevor die Kohle durchgeglüht ist, öffnen wir gern etwas Prickelndes. Ein Crémant, zum Beispiel aus Limoux, ist ein feiner und bezahlbarer Auftakt, der Appetit macht und die Wartezeit verkürzt. Ein kühler Weißer oder ein Glas Rosé tun es genauso.
Kurz gemerkt, die Serviertemperaturen:
Weißwein und Crémant: 8 bis 10 Grad
Rosé und leichte, gekühlte Rote: 10 bis 14 Grad
Kräftige Rote: rund 16 Grad, also Kellertemperatur, nicht Zimmertemperatur
Die wichtigste Faustregel bleibt die einfachste: Je kräftiger und würziger das Grillgut, desto mehr Struktur darf der Wein haben. Und wenn du dir unsicher bist, ein trockener Rosé oder ein leicht gekühlter, fruchtiger Roter machen zu fast allem eine gute Figur.
Du willst vor dem nächsten Grillabend ein paar Flaschen probieren? Komm gern in der Weinbar in Limbach vorbei, wir haben immer etwas offen und stellen dir zusammen, was zu deinem Menü passt.
Cheers,
Florian von Vindumi
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