Seit wir die Domaine Sibille vor drei Jahren besucht haben, bin ich in diesen Rosé verliebt. Für mich genau die richtige Mischung: knackig frisch und mineralisch, mit angenehm intensiver Frucht, aber nie schwer. Erfrischend und intensiv zugleich, genau das macht für mich einen Sommerwein aus, der meinen Geschmack trifft. Im Juli ist der Terres de Grès unser Rosé des Monats, einer von dreien, den Weißen und den Roten stellen wir in den nächsten Wochen vor. Er besteht zu 80 Prozent aus Mourvèdre, der Rebsorte der großen Bandol-Weine in Rot wie Rosé, und wächst biologisch auf dem Sandstein des Minervois. Geschmacklich geht er in dieselbe Richtung wie ein Bandol, nur eleganter und nicht so kräftig. Der Sandstein macht ihn weicher und feiner, im Finale mineralisch, ohne salzig zu sein.
Sandstein, bis in den Namen
Terres de Grès heißt übersetzt so viel wie Sandsteinböden. Genau die prägen die Lagen der Domaine Sibille in Laure-Minervois, rund zwanzig Minuten nordöstlich von Carcassonne. Der Untergrund hier ist die Molasse von Carcassonne, eine Mischung aus Sandstein, Konglomerat und Mergel. Sandstein erwärmt sich leicht und ist eher karg, das gibt tendenziell leichte, elegante und frische Weine statt wuchtige. Den Grès sieht man in der Gegend auch im Mauerwerk mancher alter Häuser.
Eine Appellation, viele Böden
Die AOP Minervois ist eine der klassischen Languedoc-Appellationen, anerkannt im Februar 1985, gelegen zwischen der Montagne Noire im Norden und dem Canal du Midi im Süden. Rund 4.000 Hektar verteilen sich auf 61 Gemeinden in Aude und Hérault, dazu kommt die kleine Cru-Appellation Minervois La Livinière. Was die Region besonders macht, ist die Vielfalt im Untergrund: Kalkstein, Schiefer, Mergel, Schwemmlandterrassen und eben Sandstein. Jede dieser Zonen bringt einen eigenen Ton ins Glas, der Sandstein seinen mit Frische und Klarheit.
Klimatisch herrscht mediterraner Süden, mit langen warmen Tagen und kühlen Nächten am Fuß der Berge. Der Wind heißt hier Cers, kommt aus dem Atlantik und hält die Trauben gesund. Beim Probieren schmeckt man genau das wieder: Wärme im Wein, aber nichts Schweres, der Cers hält die Frische am Leben.
Mourvèdre, ungewöhnlich für einen Rosé
Mourvèdre ist eine Rebsorte des heißen Südens. Ihre Heimat liegt rund um Sagunt bei Valencia, wo sie unter dem Namen Monastrell bis heute eine der wichtigsten roten Sorten ist. Reinsortig ausgebaut findet man sie in Frankreich vor allem in Bandol an der Provence-Küste, dort ist sie die Königsrebe. Sie prägt die tiefen, lagerfähigen Bandol Rouges mit Brombeere, Leder, Lakritz und Garrigue, und die berühmten Bandol Rosés, die mit Struktur und Tiefe eine eigene Liga sind, lang, kräftig, fast wie ein heller Rotwein im Glas.
Außerhalb von Bandol bleibt Mourvèdre im Rosé meist Nebenrolle, denn sie ist anspruchsvoll: spät reif, ertragsschwach, empfindlich. Wer sie als Hauptsorte in einen Languedoc-Rosé setzt, tut das aus Überzeugung. Pierre und Barbara Sibille tun genau das: 80 Prozent Mourvèdre, dazu 10 Prozent Picpoul Noir und 10 Prozent Grenache. Der Unterschied zum Bandol-Stil liegt im Boden. Der Sandstein des Minervois nimmt dem Mourvèdre die Wucht und gibt dem Wein Schliff, mineralisch klar, aber nicht salzig, eher fein und lang.
Im Glas
Helles Lachsrosa, fast cremig hell. In der Nase Erdbeere, weißer Pfirsich, Zitrus und ein Hauch Kräuter. Am Gaumen weich und seidig, ohne die Frische zu verlieren, getragen von einer feinen mineralischen Linie. Im Finale rote Beere und Pfirsich, lang und klar. 12,5 Prozent Alkohol, 0,3 Gramm Restzucker auf den Liter, trocken und elegant. Bei uns steht im Sommer fast immer eine Flasche kalt.
| Rebsorten | 80 % Mourvèdre, 10 % Picpoul Noir, 10 % Grenache |
| Herkunft | AOP Minervois, Laure-Minervois, Aude |
| Anbau | Biologisch zertifiziert |
| Charakter | Trocken, elegant, fein-mineralisch, seidig |
| Alkohol | 12,5 Prozent |
| Trinktemperatur | 8 Grad, gut gekühlt |
Wozu er passt
Am besten schmeckt er uns im Sommer ganz unkompliziert: zum Grillen, zu Salat, zu einer Pizza oder zu gegrilltem Gemüse. Zu Fisch passt er ebenso wie zu hellem Fleisch, etwa Hähnchen vom Grill. Und wenn gar nichts auf dem Teller liegt, einfach gut gekühlt zum Apéro auf der Terrasse.
Zu Besuch bei Pierre und Barbara
Pierre Sibille ist Önologe und war über zwanzig Jahre lang technischer Leiter einer Genossenschaftskellerei im Elsass. Seine Frau Barbara arbeitete als Beamtin beim Département Haut-Rhin in Colmar. Im Dezember 2015 haben sie Jobs, Haus und das Elsass aufgegeben und sind nach Laure-Minervois gezogen. Heute bewirtschaften sie rund 15 Hektar, davon 5 in der AOP Minervois und 10 als IGP Pays d'Oc, von Anfang an biologisch.
Wir haben die beiden an einem sonnigen Oktobertag besucht, mitten in der Weinlese. Laure-Minervois ist ein idyllisches Dorf, von alten Mauern umgeben, und die Weinberge ringsum bekommen durch ihre kleinen Trockenmauern und die weite Aussicht einen ganz eigenen Charme. Pierre war zufrieden mit der Qualität der Trauben, die Lese war fast eingefahren.
Das Herzstück ist der Keller, ein kleiner historischer Schatz. Die alten Betontanks sind mindestens hundert Jahre alt und in hervorragendem Zustand. Pierre arbeitet ganz ohne Holzfässer und mit so wenig Eingriff wie möglich, um die natürlichen Aromen der Trauben zu bewahren und nichts zu überdecken. Einen Keller komplett ohne Holz haben wir selten gesehen. Im Glas bei diesem Besuch: der frische, leicht cremige Chardonnay und natürlich der Terres de Grès Rosé, zarte Farbe, frische rote Frucht. Wer länger bleiben will, kann das übrigens, am Weingut vermieten Pierre und Barbara eine Ferienwohnung.
Pierres Keller, alte Betontanks und kein einziges Holzfass
Eine Besonderheit ist der hohe Weißweinanteil von rund 40 Prozent, ungewöhnlich für das Minervois, das als rote Hochburg gilt. Pierre hat das Handwerk mit Riesling, Pinot und Gewürztraminer gelernt, und diese Erfahrung steckt heute in Viognier und Chardonnay.
Pierre Sibille, Domaine Sibille
Was es sonst von Sibille bei uns gibt
Den Viognier und den Chardonnay als die beiden Pays-d'Oc-Weißen, den Sibilou Merlot als unkomplizierten Roten und den Terres de Grès Rouge aus dem gleichen Sandstein, von dem auch der Rosé seinen Namen hat.
Unser Rosé des Monats: Terres de Grès 2025 von Domaine Sibille
Den Sommer ins Glas
Den Terres de Grès Minervois Rosé 2025 gibt es bei uns im Onlineshop und offen zum Probieren in der Weinbar. Am 1. Juli ist die Domaine Sibille beim Kurzurlaub im Glas das Thema, eine Woche später Bandol in drei Farben. Wer den Mourvèdre vergleichen will, kann beide buchen.
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