Picpoul de Pinet: Salzige Frische aus den Lagunen am Étang de Thau

Picpoul de Pinet von La Croix Gratiot mit einem Glas Weißwein und frischen Austern

Es gibt Weine, die muss man erklären, und es gibt Weine, die das selbst übernehmen. Der Picpoul de Pinet gehört zur zweiten Sorte. Ein Schluck, und du stehst mit den Füßen fast schon in der Lagune am Étang de Thau, daneben ein Teller Austern, die Sonne steht tief. Für uns ist er der Sommerwein schlechthin. Höchste Zeit, ihn dir einmal ganz in Ruhe vorzustellen, mit allem, was dazugehört.

Eine Lagune, eine Rebsorte, eine eigene Appellation

Picpoul de Pinet kommt aus einem schmalen Streifen Languedoc, den nur der Étang de Thau vom Mittelmeer trennt, eine flache Lagune von rund 18 Kilometern Länge. In ihrem Wasser wachsen die berühmten Austern von Bouzigues, der Thau ist das Herz der Austern und Muschelzucht am französischen Mittelmeer. Wein und Auster liegen hier also Seite an Seite. Kein Wunder, dass sie so gut zusammenpassen.

Die Appellation selbst ist klein und klar umrissen. Sie umfasst sechs Gemeinden rund um das Dorf Pinet, nämlich Pinet, Mèze, Florensac, Castelnau-de-Guers, Montagnac und Pomérols. Auf etwa 1.500 Hektar Reben entstehen jedes Jahr über zehn Millionen Flaschen. Das Besondere: Picpoul de Pinet ist der einzige reine Weißwein-Cru des Languedoc, eine eigene Appellation nur für Weiß aus einer einzigen Rebsorte.

Lange lief der Wein unter der großen Languedoc-Sammelappellation mit. Erst seit dem 14. Februar 2013 steht er auf eigenen Füßen, mit eigener AOP, eigener Rebsorte, eigenem Charakter. Übrigens gut zu erkennen im Regal: Schon seit 1994 füllen die Winzer*innen ihren Picpoul in eine gemeinsame, schlanke grüne Flasche mit dem Languedoc-Kreuz und einem Wellenkranz am Hals. Seit 2016 ist sogar der Name der Appellation ins Glas geprägt.

Die Böden sind kalk und tonhaltig, mancherorts sandig, dazu der ständige Wind und das Salz aus der Lagune. Genau diese Mischung steckt am Ende im Glas.

Piquepoul Blanc, der Lippenbeißer

Die Rebsorte heißt Piquepoul Blanc. Der Name kommt aus dem Okzitanischen, frei übersetzt der Lippenbeißer, eine Anspielung an ihre knackige Säure, die einem beim ersten Schluck einen kleinen Stups gibt. Angebaut wird sie an der Lagune sporadisch seit dem 14. Jahrhundert. Lange wanderte ein Großteil davon in Wermut und Brennblase. Erst die Winzer*innen rund um Pinet erkannten in den 1920er-Jahren, was für ein Potential in dieser Traube steckt, wenn man sie ernst nimmt.

Im Glas

Im Glas steht ein kristallklares Strohgelb, in der Nase Limette und Grapefruit, am Gaumen diese salzige Frische, die der Kalkboden in Meeresnähe mitgibt. Knackige Säure, klare Struktur, staubtrocken und mit 12,5 Prozent angenehm leicht. Kurz gesagt: ein Wein, der wach macht statt satt. Wir trinken ihn am liebsten gut gekühlt bei rund 8 Grad.

Wozu er passt

Der Klassiker liegt auf der Hand: Austern. Salz trifft Salz, frischer geht ein Sommerabend kaum. Genauso gut macht er sich zu Meeresfrüchten, gegrilltem Fisch, Sushi und Ceviche. Wer es vegetarisch mag, stellt ihn zu jungem Ziegenkäse oder einem Sommersalat mit Zitrone. Und ganz ohne Teller? Einfach eiskalt als Apéro auf der Terrasse, wenn die Sonne tief steht.

Anaïs Ricôme von der Domaine La Croix Gratiot mit ihrem Picpoul de PinetAnaïs Ricôme, Domaine La Croix Gratiot in Montagnac

Unsere Winzerin: Anaïs Ricôme

Picpoul gibt es viel und oft beliebig. Unser Favorit kommt von der Domaine La Croix Gratiot, einem Familiengut in Montagnac. Anaïs Ricôme hat es 2009 mit gerade 23 Jahren von ihrem Vater übernommen, im Gepäck ein Önologie-Studium, ein Faible für sensorische Analyse und ein paar Monate Erfahrung aus den Weinbergen Neuseelands.

Seit 2011 arbeitet sie biologisch zertifiziert, mit nächtlicher Handlese, spontaner Gärung und Ausbau auf der Feinhefe für etwas mehr Textur. Statt die Fläche zu vergrößern, hat sie das Weingut bewusst auf 35 Hektar verkleinert, Qualität vor Menge. Allein 15 Hektar gehören dem Picpoul, ihrer Hauptrebsorte. Genau das schmeckt man: kein Massen-Picpoul, sondern einer mit salziger Präzision und Spannung.

Zwei, die aus der Reihe tanzen: Zazous und Le Chant de Dolia

Anaïs macht aber nicht nur den klassischen Picpoul de Pinet. Zwei weitere Weißweine von ihr drehen sich ebenfalls um die Picpoul-Traube, stehen aber bewusst außerhalb der engen Appellation Picpoul de Pinet. Sie zeigen, was diese Rebsorte noch kann, wenn man sie anders einsetzt.

Les Zazous, ein IGP Pays d'Hérault, ist der unkomplizierte der beiden. Hier führt der Picpoul, ergänzt um etwas Roussanne, die für Schmelz und Fülle sorgt. Ein Teil reift im Holzfass, danach wird verschnitten. Im Glas Zitrus und reife Ananas, ein Hauch weiße Blüten, rund und ausgewogen, aber mit genug Säure, dass alles lebendig bleibt. Den Namen hat sich Anaïs übrigens selbst geliehen: Zazous hießen in den späten 1930ern die nonkonformen Jazzfans, und so nennen Freunde auch die Winzerin.

Le Chant de Dolia dreht das Verhältnis um. Hier dominiert die Roussanne, der Picpoul kommt nur in kleiner Dosis dazu, genau für die Frische, die ein kräftiger Weißer sonst schnell verliert. Das Besondere steckt im Ausbau: ein ganzes Jahr in Dolia, also Amphoren aus Sandstein und Keramik, dazu Beton. Diese Gefäße geben dem Wein Dichte und eine feine, salzige Mineralität, ohne ihn mit Holz zu überlagern. Heraus kommt ein eleganter, dichter Languedoc Blanc mit Aromen von Verbene, Zitronengras und kandiertem Ingwer. Dolia ist übrigens der lateinische Begriff für die großen Tonkrüge, in denen schon die Römer ihren Wein ausbauten.

Beide gibt es bei uns ebenfalls: Zazous und Le Chant de Dolia.

Flasche Picpoul de Pinet 2025 Bio von La Croix GratiotUnser Wein des Monats: Picpoul de Pinet 2025 von La Croix Gratiot

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Zum Wein

Autor
Florian Hock-Küttel

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